Nachweisliche Verbesserung bei psychischen Beeinträchtigungen 
Präventionsprojekt bescheinigt Gesundheitscoaching des Weißen Raben nachhaltige Erfolge – geplante ABM-Kürzungen treffen die Falschen!

Nun haben wir es schriftlich: durch das intensive Gesundheitskompetenztraining konnten bei den Zielgruppen-Mitarbeitern des Weißen Raben die multiplen psychischen Beeinträchtigungen nachweislich reduziert werden. Das ist das Ergebnis des dreijährigen Präventionsprojekts „arbeit und gesundheit“ im Rahmen des Regierungsprogramms „Gesundheitsforschung: Forschung für den Menschen“. Das Projekt der Klinikums der LMU und der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin in Ulm wurde in Kooperation mit dem Referat für Arbeit und Wirtschaft (RAW) zwischen 2009 und 2011 in 9 Förderprojekten des städtischen Münchner Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramms (MBQ) durchgeführt.

Das Kompetenztrainings-Projekt sollte Erkenntnisse darüber liefern, ob der „subjektive Gesundheitszustand“ von arbeitslosen Menschen und damit ihre Vermittlungschancen in den Arbeitsmarkt durch ein gezieltes Training verbessert werden können. Zielgruppe waren vom JobCenter München in MBQ-Maßnahmen vermittelte Personen. Johanna Schilling, Geschäftsführerin des Weißen Raben: „Das Ergebnis steht in deutlichem Widerspruch zur IAB-Studie, die den MBQ-Maßnahmen in München einen Lock-In-Effekt unterstellt. Genau das Gegenteil ist der Fall.“ Die beim Weißen Raben beschäftigten Langzeitarbeitslosen z.B. sind nicht arbeitsmarktnah, vielmehr leiden über 40% von ihnen unter multiplen psychischen Beeinträchtigungen. Das haben die am Projekt beteiligten Wissenschaftler festgestellt. Neben erhöhten Werten für Ängste und Depressionen leiden sie auch überdurchschnittlich an Fettleibigkeit und Nikonabhängigkeit. Diese Zahlen decken sich im Übrigen mit der jüngsten Studie über geringere Lebenserwartung von Geringverdienern.
Trotz dieser schlechten Startposition konnte das subjektive Gesundheitsempfinden verbessert werden, und bereits nach drei Monaten Gesundheitscoaching war eine Abnahme von Ängsten und Depressionen erkennbar. Die vorher intensiv geschulten pädagogischen Mitarbeiter der teilnehmenden Betriebe im Weißen Raben führten mit ihren Klienten nicht nur motivierende Gesundheitsgespräche. Sie gaben ihnen ganz praktische Tipps und Informationen, z.B. zur Zahngesundheit, zur Bewegungsförderung und zur Zubereitung gesunder und dennoch preiswerter Mahlzeiten.

Johanna Schilling befürchtet, dass die geplanten Mittelkürzungen im MBQ-Bereich langzeitarbeitslosen Menschen die letzte Hoffnung auf Integration nehmen: „Wenn das JobCenter künftig vor allem auf schnelle Vermittlung setzt, bleibt unsere Klientel außen vor. Denn bevor ein langzeitarbeitsloser Mensch in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden kann, muss seine Beschäftigungsfähigkeit verbessert werden.“ Genau dieses leistet der Weiße Rabe in seinen Maßnahmen. Er habe wesentlich zum Erfolg der Studie beigetragen, heißt es im überreichten Zertifikat.

Der Bund gab's den Banken und nimmt's den Armen
Münchner Wohlfahrtsverbände kommentieren das Berliner Sparpaket

359 Euro erhält Tom Engelmann im Monat an Grundsicherung. Dazu kommen 130 Euro an Mehraufwands-Entschädigung (MAW) aus einer Beschäftigung bei Condrobs. "Das Geld reicht in der Regel für zwei bis drei Wochen, am Monatsende wird es aber immer knapp", erklärt der Hartz-IV-Empfänger. Durch die angekündigten Kürzungen im Sozialhaushalt fürchtet er, dass sich seine Lage erheblich verschlechtert - so wie die von vielen weiteren sozial benachteiligten Menschen auch.

"Wir werden nicht hinnehmen, dass sich die Bundesregierung mit ihrem Sparpaket bei den Armen bedient und damit das Tempo beschleunigt, das Arm und Reich auseinanderdriften lässt", betont Karin Majewski, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtsverbände München. Auf einem Pressegespräch lieferte sie detaillierte Zahlen zu den Kürzungen im sozialen Bereich und nannte Finanzierungsmaßnahmen, die nicht bei den Armen ansetzen und knapp 50 Milliarden Euro in den Bundeshaushalt spülen könnten: die Einführung einer Finanztransaktionssteuer, die verfassungskonforme Wiedereinführung der Vermögenssteuer, eine Besteuerung von Kapitalerträgen sowie ein effektiver Steuervollzug.

Johanna Schilling, Geschäftsführerin von Weißer Rabe, einer Einrichtung der Caritas, kritisierte insbesondere die massiven Einschnitte bei öffentlich geförderter Beschäftigung, wie sie auch Tom Engelmann nachgeht. Die Annahme, dass arbeitslose Menschen durch Zuwendungskürzungen stärker motiviert werden, eine Arbeit aufzunehmen, hält sie für zynisch. Studien belegten, dass Hartz-IV-Empfänger vielfältige Aktivitäten unternehmen, um in Lohn und Brot zu kommen und nicht auf Kosten des Steuerzahlers ihren Müßiggang pflegen. "Wir wissen alle, dass Motivation in der Regel nicht über Druck und Ängste gefördert wird, sondern durch Befähigung und Selbstvertrauen. Politiker, die ernsthaft glauben, durch die Streichung finanzieller Förderung für Menschen mit Handicaps Leistungsanreize für die Aufnahme in Arbeit zu schaffen, nehmen die Lebenssituation von Hartz-IV-Empfängern nicht zur Kenntnis", so Schilling.

Mit Blick auf die künftige Betreuung von Langzeitarbeitslosen, die am kommenden Dienstag im Münchner Sozialausschuss diskutiert wird, meinte Jürgen Salzhuber, Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt: "Die Wohlfahrtsverbände sprechen sich dafür aus, dass München Optionskommune wird und somit die Betreuung der Langzeitarbeitslosen selbst in die Hand nimmt. Es steht zu erwarten, dass eine gute Förderung der Betroffenen durch die Landeshauptstadt München bei weitem besser gewährleistet wird als durch das Modell der gemeinsamen Aufgabenwahrnehmung mit der Bundesagentur für Arbeit, die ein wesentlicher Bestandteil des Berliner Sparpaketes ist."

Weitere Informationen unter: www.oberbayern.paritaet-bayern.de

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